
21:15-21:45 Uhr, Heilig-Kreuz-Kirche
Klaviermusik
Christian Seibert, Klavier
Felix Mendelssohn Bartholdy
Andante und Rondo capriccioso op. 14
In der 1826 komponierten "Sommernachtstraum"-Ouvertüre, dem einzigartigen Geniestreich des gerade einmal 17-jährigen Komponisten, hatte Mendelssohn den Hörer in König Oberons Zauberreich geführt. Ein Jahr darauf dürfte das im Tonfall auffallend verwandte "Rondo capriccioso" E-Dur entstanden sein.
Einem unüberhörbar C. M. von Weber verpflichteten E-Dur-Andante schließt sich in der gleichnamigen Molltonart das eigentliche Capriccio an, das mit seiner flockigen Staccatotechnik im raschen 6/8-Takt vorüberhuscht, bevor am Ende Fortissimoakkorde das Tor zum Elfenreich gleichsam zuschlagen. Der Titel »Rondo capriccioso« ist übrigens beim Wort zu nehmen: Ein schulgerechtes Rondo ist diese Rondocaprice keineswegs.
Fanny Hensel
Zwei Charakterstücke aus dem Zyklus "Das Jahr"
Es ist bemerkenswert, wie ähnlich die beiden Geschwister Fanny und Felix komponierten: So manches der Charakterstücke von Fannys Klavierzyklus Das Jahr könnte auch im Oeuvre ihres Bruders stehen, Es ist wohl das meist rezipierte Werk Fannys. Sowohl die kompositorische Struktur als auch der Klaviersatz sind Beispiele für den reifen Personalstil der Komponistin. Mit dem Wechsel von virtuosen, lyrischen, liedhaften oder getragenen Charakteren vereint das insgesamt pianistisch anspruchsvolle Klavierwerk recht unterschiedliche Schwierigkeitsgrade.
Robert Schumann
Arabeske op. 18; Toccata op. 7
Schumanns "Arabeske" entstand zusammen mit einigen anderen kleinen Klavierstücken 1838 in Wien und nimmt bis heute einen festen Platz im allgemeinen Klavierrepertoire ein. Der leichte, anmutige Charakter des Stücks mag darauf zurückzuführen sein, dass Schumann sich "zum Lieblings-Componisten aller Wienerinnen emporschwingen" wollte, wie er selbst schrieb; und so ist die Arabeske ein Beispiel für beste, gehobene Unterhaltungsmusik.
Als der Jurastudent Schumann 1829 in Heidelberg weilte (wo er statt der Vorlesungen lieber die Soireen des Musikenthusiasten Thibaut besuchte), schrieb er seine Toccata op. 7, um ihr drei Jahre später in Leipzig den letzten Schliff zu geben. Gewidmet hat er sie seinem Jugendfreund Louis Schunke, der sie zu seiner Verblüffung (und leisen Enttäuschung) vom Blatt spielte!
